Darmstädter Echo,ste.
Als erster Hesse erhält der Pfungstädter die höchste Auszeichnung für einen Laienschauspieler.
Seine Liebe zum Theaterspielen entdeckte Reiner Maurer bereits als Vierzehnjähriger. „1973 wurde zur Weihnachtsfeier der TSV-Handballabteilung ein Theaterstück einstudiert“, erzählt der Laienschauspieler. Er übernahm bei „Onkel Lucky aus Kentucky“ seine erste Rolle als Karl August Maier, der den titelgebenden Onkel nach dessen plötzlichem Tod beerbt. „Mir hat das Theaterspielen auf Anhieb Spaß gemacht, weil ich hier in eine andere Rolle als sonst in meinem Alltag schlüpfen kann“, sagt er.
Von der damaligen Truppe ist Reiner Maurer als einziger diesem Hobby über die Jahre treu geblieben, hat deren Entwicklung zu den „Sandbachmimen“ als eigener Theaterabteilung im TSV Pfungstadt miterlebt und leitet sie seit vielen Jahren.
In diesen 40 Jahren hat Reiner Maurer viele Rollen gespielt. „Schon als junger Mann habe ich, weil uns ältere Spieler fehlten, oft Opa-Rollen übernommen. Das hat Spaß gemacht, weil ich mich dafür so schön verkleiden konnte, mit Glatzenperücken und allerlei Bartmodellen“, erzählt er. Auch Frauenrollen hat er gelegentlich übernommen. „Das waren eher Karikaturen, bei denen man den Mann erkennen konnte.“ Alle Rollen kann er gar nicht aufzählen, in denen er den Beifall seines Publikums genossen hat.
Längst ist das Theaterspielen zum Hobby der ganzen Familie Maurer geworden. Ehefrau Sonja hat er noch vor der Hochzeit zu den Sandbachmimen gebracht. Nachdem sie zunächst ebenfalls auf der Bühne agiert hat, führt sie seit 2000 dort die Regie. Auch die beiden Töchter Jana und Selina tragen das Theatergen und sind über die Kindergruppe der Mimen, die Sandbachminis auf die Bühne gekommen.
„Ich habe mir zwischenzeitlich schon mal Gedanken darüber gemacht, ob ich das Theaterspielen zum Beruf machen und dafür eine Schauspielschule besuchen sollte“, verrät Maurer, der hauptberuflich als Fachbereichsleiter Bürger und Ordnung in der Pfungstädter Stadtverwaltung ist. Tochter Jana verhalf indessen ihrem Vater zu seinen Kontakten zur Hessischen Spielgemeinschaft in Darmstadt. „Jana spielte bei deren Produktion, Zirkus Knie‘ eine Nebenrolle als Zirkusartistin, da bin ich gern mit ihr zur Probe“, erläutert Reiner Maurer.
Zuerst war er als Statist dabei, übernahm dann aber zunächst kleinere, später größere Rollen. „Meine Lieblingsrolle ist die des Räubers Funzel dem, Wirtshaus im Spessart‘“, sagt der Hobby-Schauspieler. Später hat er den Bennelbächer im „Datterich“ gespielt, den 2007 Michael Quast verkörperte. Wenn es seine Zeit zulässt, will er auch in der nächsten Produktion der Hessischen Spielgemeinschaft mitwirken. Viel Spaß hatte er auch vor zwei Jahren, als zum Pfungstädter 1250. Geburtstag das Stück „Die Gaasekerb“ unter der Regie von Hans Joachim Heist einstudiert wurde, bei dem er als Feldschütz auftrat.
Dass er nun als erster Hesse die höchste Auszeichnung für einen Laienspieler erhalten hat, macht ihn natürlich stolz. „Das war für mich die totale Überraschung“, freut er sich. Stolz sei er darauf, dass seine Mitspieler beim Bund Deutscher Amateurtheater diese Auszeichnung für ihn beantragt haben. In rund zwei Monaten wählt der Spielausschuss der Sandbachmimen das neue Stück für die Aufführung im nächsten Frühjahr aus, für das ab November geprobt wird: „Da bin ich sicher wieder auf der Bühne dabei.“




